Bitteschön, wie fährt man Aufzug?

Hierbei mein ich nicht: einsteigen, entsprechenden Etagenknopf drücken, aussteigen.
Sondern: Was tut man wie, während man einige Sekunden hoch hinaus oder in tief(er)e Abgründe zuckelt?

Als Journalistin gleite ich mindestens zweimal täglich, meistens jedoch mehrmals: Rauf ins Büro und wieder runter. Kaffee- oder Getränk holen in der Mitarbeiter-Lounge, Mittagssnack checken im Supermarkt, mindestens ein Termin pro Tag … das läppert sich zusammen.
Und ich bin dabei nicht allein. Geschätzte 400 Leute schweben bei uns täglich via vier Fahrstühlen durchs Unternehmen – der erhebende Verkehr ist also durchaus dicht.

Im Laufe meiner Aufzug-Ausflüge erlebt frau auch die eine und andere Episode und habe ich vor allem folgende Fahr-Phänomene identifiziert:

Da wäre einerseits die

frühmorgendliche geballte Kabinenladung:

Dicht. Eng. Kompakt. Intensiv. Tendenziell still.
Verlagsmitarbeiter – Tasche in der einen, Kaffeebecher in der anderen Hand – schlichten sich zu möglichst vielen in eine Aufzugs-Zelle und tönen einander währenddessen „(Guten) Morgen!“ zu.

Axe-Aroma und Chanel-Hauch mischen sich dabei in Sekundenbruchteilen mit Davidoff-Duft, Hugo Boss-Bukett und Odol-Odeur zu einem hochprozentigen Nebel.
Den jeder tunlichst nicht in seine Lungen lassen will und daher die Luft an und den Mund zu hält.
Konversation und Kommunikation ist in Medienbetrieben aber ohnehin schlecht und an diesem Ort zu dieser Zeit eher zwecklos, weil man um diese Stund’, je nach Längenmaß, entweder Schulter, Kopf, Rücken oder auch weitere und sonstige Körperteile zwei Zentimeter vorm oder (noch schlimmer) im Gesicht hat.

Weiters erwähnenswert der

Tages-Trip:

Zwecks Termin, Mittagssnack oder Kaffeetscherl schaukelt der eine oder die andere, kaum am Schreibtischgestrandet, bald wieder hinab.
Hier habe ich mit der Zeit – von „normalen“ Lift-Leuten abgesehen – zwei spezielle Sorten von Sekundenreisenden unterschieden: Schwafler und Schweiger.

Erstere texten Dich, sobald Du oder sie den Lift betreten haben, im Fast-Forward-Modus ohne Satzzeichen und Redepausen zu schließlich bleiben Ihnen nur wenige Sekunden Zeit um zeigen zu können dass mit ihnen absolut nie Langeweile oder zu überbrückende Stille aufkommt und dass sie zu jeder Zeit an jedem Ort zu kommunizieren im Stande sind auch wenn es keine tiefsinnigen Gespräche sind aber was soll man in wenigen Sekunden auch anderes beplaudern außer das Wetter die viele Arbeit oder dass man sich jetzt eeeeeendlich etwas zu essen holt also Mahlzeit!!!!!!!! und noch einen schönen Tag.

Das. Ist. Echt. Immer. Wie. Ein. Hammerschlag.

Schweiger hingegen sind schon mal unangenehm berührt, wenn Du Dich bereits im Aufzug befindest, wenn sie einsteigen.
Oder – so sie allein hin und her gondeln –  wenn Du plötzlich zusteigst.
Unter größten und gröberen Anstrengungen erwidern sie würgend oder nuschelnd Deinen Gruß.
Anschließend irren ihre Augen suchend durch die zwei Kubikmeter Aufzugraum, bleiben meist am Boden haften. Gern kommen sie auch jetzt grad drauf, dass ihre Fingernägel sehr genau zu inspizieren sind.
Oder dass sie – im für jedes Netz empfangsfreien Stahlkammerl! – jetzt grad smsen sollenmüssenwollen.
Oder (das ist den Ladies vorbehalten) dass sie in der It-Bag nach irgendetwas kramen sollenmüssenwollen.

Bei all diesen interessanten Varianten lob ich mir deshalb Fahrten mit

meinen Jungs,

so sie mich mal im Büro heimsuchen:
Sie streiten bereits vorm Zusteigen, wer von den beiden die Ruftaste für den Fahrstuhl drückt.
Nach Erstürmung des Aufzugs-Häuschens rittern sie darum, wer drinnen den Stockwerk-Schalter betätigt.
Gleichzeitig muss ich sie davon abhalten, vor lauter Lebenslust alle vorhandenen Hebel in Bewegung zu setzen.
Und schließlich davor bewahren, die Haltestangen nicht als Turnobjekt zu missbrauchen.

Ich mag das.
Muss allerdings noch eine weitere Kabinen-Party-Variation hinzufügen, nämlich den

Solo Trip.

Dann nämlich, wenn ich endlich einmal allein im Aufzug stehe.
Dann schaue ich immer, wirklich immer in den Spiegel an der einen Wand.
Weil es könnte ja die Wimperntusche verwischt sein, ein Pustel sich des Abdeckpuders entledigt haben, ein Haar zu Berge stehen oder sich ein Mohnbrösel zwischen den Zähnen versteckt haben.

Fazit: Ich hoffe sehr, dass wir keine Überwachungsmonitore im Aufzug haben …