Aus April 2019 wurde November 2021 mit dem Rückblick auf Ende der 80er Jahre. Part 1 der nie geschriebenenen Briefe der Petra M.

Hey und servus 2019! Um Dich sauber, frei und frisch zu beginnen, habe ich wieder einmal entmistet, ausgemustert, z’sammgramt. Und dabei einen Notizblock entdeckt, mit dem tragenden Namen „Die nie geschriebenen Briefe der Petra M“.
Ohne Datum, doch aufgrund der enthaltenen Texte und der Tatsache, dass ich diese alle „mit der Hand“ geschrieben hatte, habe ich rekonstruiert, dass ich sie zwischen Mitte und Ende der 1980er verfasst haben muss – also vor 37 Jahren!
Ich werde alles der Reihe nach und originalgetreu wiedergeben – inklusive meiner damaligen Interpunktion und der damals gültigen Rechtschreibung (die einstigen s/ß-Regeln waren unlogisch bis zum Gehtnichtmehr!). Ergänzt mit aktuellen Bildern.


Nach dem Regen

Dampf steigt aus den Kanälen, übelriechender Dampf. Das Straßenpflaster glänzt und dampft. Dunstwolken ziehen durch die Gassen. Alles ist verschleiert, vernebelt. Was vor kurzem noch trocken und klar, ist jetzt naß und verschwommen.

Klare glatte Linien verschwimmen zu unförmigen Gebilden.
Keine Symmetrie, keine Grenzen, Dinge und Gefühle verschmelzen.

Kein erfrischender Regen, der Luft und Land reinigt, sondern schwerer schmutziger Regen.

Du hörst kein Vogelzwitschern, es ist still, unheimlich still. Leblos liegt die Stadt vor Dir, nicht verschlafen, nicht verträumt, einfach tot und verlassen.

Naturpark Föhrenberge, April 2014

Und dann siehst Du ihn, den Sonnenstrahl, der die Nebelmauer durchbricht. Und der kalte nasse Boden strahlt in hellem Glanz.
Eine Mauerkante zeichnet sich ab.

Manchmal zeigt sich die Welt einfach nicht, sie verschwindet im Schmutz, den Du produzierst.

Aber sie gibt dir immer wieder eine Chance.

Du mußt sie nicht sehen, aber wenn Du liebst und zu verstehen versuchst, wirst Du sie fühlen.

1985–1989


Ohne Titel

Du siehst mich an, doch Du schaust vorbei.
Ich sehe Dich an und blicke hinein.
Doch da ist eine Wand zwischen uns.

Du bist da, doch in Gedanken dort.
Ich bin da und in Gedanken bei Dir.
Doch da ist keine Hand zwischen uns.

Du sprichst mich an, doch nicht mit mir.
Ich spreche Dich an und fühl zu Dir.
Doch da ist kein Band zwischen uns.

Was ist der Hammer, die Wand zu zerschlagen
Was ist die Tat, die Hände zu reichen
Was ist das Garn, das Band zu knüpfen

Ich suche die Antwort, doch Fragen ist vergeblich. Bittere Erfahrung, Stürme von Gefühlen und Zeit – das ist der Weg, vielleicht.