Nein, ich bin nicht als Halloween-Fee auf einer orange-schwarzen Feier umhergehüpft. Ich hab dieses Fest heuer wieder mal erste Reihe fußfrei vollzogen. (Oder so ähnlich.) – Anlässlich  Halloween ein Rückblick ins Jahr 2010, als meine besten Buben zehn und zwölf waren.

Ich habe mich also damals nicht als Halloween-Fee auf irgendeiner orange-schwarzen Feier rumgetrieben. Denn der eine beste Bub hat sich just am 31. die Hand gebrochen. Und war folgedessen fürs Süßigkeiten-Sammeln gesperrt.
Grummel.
Der andere war programmiert aufs Bonbon-Betteln und steckte bereits ab Nachmittag im Grusel-Gewand.
Gruftig.

Halloween und TV

Also machten wir Mütter aus der Pflicht eine Kür: Setzten den Gehandicapten mit dem bereits vom Halloween-Rausch entwöhnten älteren Knaben der Psychologenbesten gemeinsam vors TV.
Der Kleine wurde mit den übrigen Mumien und Frankensteins von Marketing-Madonna und Lehrer-Zauberin für zwei Stunden in einem ertragreichen Zuckerl-Gebiet ausgelassen.

Und wir Mädels setzten uns bei – nona – Prosecco zum titanischen Teufels-Tratsch zusammen.

Ganz ohne Schauer-Stories ging’s natürlich nicht. Weil ich, wie wir alle, diese Kürbiskiste echt herzig find‘. Wenn kleinere und größere Hexen, Skelette und Monster in Herden durch die Straßen galoppieren und alle paar Meter „Süßes oder Saures!“ kreischen – einfach entzückend!
Die ersten Sammeljahre habe ich die besten Buben auch brav und begeistert begleitet. Immer wieder gab es jedoch in unserer feinen Wohngegend durchaus derbe Typen, die diese Kollekten nicht nur nicht wollten, sondern ihren Unmut darüber auch gleich laut schreiend kundtaten.

… dass die Jalousie schaukelt!

An ein besonders eklatantes Ereignis erinnerte ich mich zur perlenden Stunde: Die knapp meterhohen und putzigst maskierten Kiddies läuteten damals an einem Gartentor und fiepten erwartungsvoll „Süßes oder Saures!“.
Nach etwa 1,3 Sekunden riss ein älterer – und auch auf den kurzen Blick als ungepflegt identifizierter – Bewohner das straßenseitige Fenster auf, plärrte hinaus: „SCHLEICHTS EICH MIT EICHERN AMERIKANISCHN SCHAAAASS!!!!!“ und drosch das Fenster derart dröhnend wieder zu, dass die schiache Jalousie zwischen der Doppelglasscheibe noch lange böse nachschaukelte.

Vom Keltenfest zu Schneckenfressern

„Es lebe die Altersgüte!“ Die Lehrerzauberin prostete uns zwinkernd zu. „Es ist immer wieder bezaubernd, wie wenig die Leute über Halloween Bescheid wissen. Dass es ein irisches Fest ist, das wahrscheinlich schon auf die Keltenzeit zurückzuführen ist. Und dass es die Amerikaner lediglich übernommen und daraus – wie aus so vielem – einen florierenden Wirtschaftszweig gemacht haben.“

„Iren, Kelten, Amis, alte Grantler! Da lob isch mir fröhlische und lebenslustige Fronsoseeeen!“ Die Marketing-Madonna war längst in anderen Sphären und verdrehte entzückt die Äugelein.
„Hast Du wieder mal zugelangt und Dir einen Baguette- und Schneckenfresser an Madonna-Land gezogen?“ Seufzend schüttelte die Psychologen-Beste den lockigen Kopf. Gallischen Gelüsten frönt sie kaum. Die Seelen-Heilerin steht ausnahmslos auf österreichische Kost. Essens- und Männertechnisch. Französisch mag sie’s allenfalls im Bett.
Wir hingegen, Madonna, la Professeuse et moi, entflammten sogleich über sämtliche Vorzüge der Charmeure par excellence:
Ihre Vorlieben für Genuss und Lust.
Ihre Talente der Verführung und der Sinnlichkeit.
Ihr Zugang zu Frohsinn und Lebensfreude.

Zudem hatte ich soeben selbst grad so einen kleinen, süßen Flinken (es war ein Citroën C3) zwischen den Händen, der noch dazu auf Fingerzeig spurte. „Mit dem kleinen Finger zu dirigieren. Ein Romantiker mit Esprit. Spritzig. Merveilleux! Ein wahrlich sonniges Gemüt!“

„Na des braucht ma eh in diesen Nebelgeschwaden“, meckerte die Psychologikerin. „Ok, Mädels, diesmal schwing ich mich doch auf Eure mediterrane Ebene ein. Immerhin hab ich grad Hochsaison mit Herbst- und Winterdepression. Also, legt los mit Euren Balladen über die Belamis. Bevor  unsere kleine Gespenster-Crew wieder zurückkehrt und uns mit Marshmallow- und schokoladeverklebten Gebissen das Gruseln lehrt…“

31. Oktober 2010