Handtaschen. Auch wenn mittlerweile viele meiner geliebten Bags aus Bequemlichkeits-, Praktikabilitäts- sowie HomeofficeunddaherTerminlosZeiten-Gründen den funktionalen Rucksäcken weichen mussten: Haben tu ich sie noch. – Ein Rückblick ins Jahr 2009.

Und zwar alle. Ich habe noch alle Handtaschen. Einmal im Jahr – wie jetzt zum Beispiel – zupfe ich sie aus dem Regal, entstaube sie und räume sie wieder, farblich geordnet, ein. Und dabei erinnerte ich mich nicht nur an zwei von vielen Zitaten über Handtaschen, die besonders gut zu der Geschichte passen, nämlich

„Ich glaube, Männer haben ein ähnliches Verhältnis zu ihren Eiern wie Frauen zu ihren Handtaschen. Es mag zwar nur ein kleiner Beutel sein, aber ohne ihn fühlen wir uns in der Öffentlichkeit schutzlos.“ (Carrie Bradshaw, Sex and the City)

„Die Handtasche einer Frau ist ein ebensolches Mysterium wie die Frau selber.“ (Simon Le Bon von Duran Duran)

sondern eben auch jene Geschichte, die ich vor nunmehr 12 Jahren verfasst habe. Voilá:

Handtaschenräuber wären bei mir ganz schlecht dran. Bewusst wurde mir das, als ich gestern dem liebevollsten Liebling kurz meine Handtasche zum Halten reichte. – Der klasse Kerl ging doch tatsächlich mit dem Seufzer: „Na puuh, die is schwer!“ ein wenig in die Knie.

Abgesehen davon, dass Frauen generell gewöhnter sind, auch schwere Lasten hoch erhobenen Hauptes zu tragen, wurde mir klar:

  1. Im Überfalls-Fall ist mein Sack zu Verteidigungszwecken gegenüber Angreifern absolut geeignet.
  2. Der Langfinger müsste ob der Last der Beutel-Beute schon ein g’standenes Mannsbild sein.
  3. Ich fühlte mich leidenschaftlich leicht. Schließlich kommt’s nicht oft vor, dass mir ein Mann so viel abnimmt …
  4. Ich war neugierig, was tatsächlich so alles in meinem Umhängsel drin sein möge. Ich besitze zwar mehrere Handtaschen, die ich je nach Outfit wechsle. Den Inhalt kippe ich dabei jedoch ung’schaut von einer in die andere.

Innerstes nach Außen kehren

Des Abends daher, als alle schliefen – die Kinder im Bett und der Beste auf der Couch – kehrte und leerte ich leise das Innerste meiner Tasche nach Außen.
Die Befüllung meiner Bag in willkürlicher Reihenfolge:

  • Wasserflasche – stets gefüllt, weil ich etwa drei Liter täglich trinke.
  • Haarbürste – Marke Pferdestriegel, also ganz schön groß.
  • Lippenbalsam – ein spezieller im Doserl, mein Favourit unter allen Lippenschmieren.
  • Lipgloss – für „Lipgloss-Momente“ (copyright: die spirituellste Freundin), das sind die besonderen Situationen.
  • Geldbörsel – prall, fett und voll. Leider nicht der Euros wegen, sondern aufgrund Verwahrung sämtlicher Lizenzen, Karten, Ausweisen, Befähigungen und Bescheinigungen.
  • Handcreme – in der Tube, derzeit mit Lotusblüten-Extrakt, Reisbutter und Biotin. Die Marke variiert, ich bin nach wie vorauf der Suche nach der für mich geeignetsten.
  • Nagelfeile – wenn plötzlich ein Nagel reißt oder bricht, wie sähe das denn aus!
  • Autoschlüssel – da baumelt auch jener vom Büro dran rum.
  • Wohnungsschlüssel – mit Riesenanhänger, damit ich nicht danach kramen muss und ihn gleich find. Glückt mir selten.
  • Zahnpflegekaugummi – für den Geschmack und falls ich ein Mohnweckerl verspeise.
  • Sonnenbrille im Etui – immer die passende, abhängig von Panier und Sonnenintensität.
  • Taschentücher – schon der Name verlangt nach dieser Zutat.

    Ungaublich, aber wahr. So haben Smartphones früher mal ausgesehen: mein Nokia E71

  • Handy – mein ultraelegantes E71, im Dauereinsatz.
  • kein Spiegel – das schafft ebenfalls das Handy, mit seiner Rückenansicht.
  • Linsenflüssigkeit – für den klaren Durchblick zu jeder Tages- und Nachtzeit.
  • Linsenbehälter – ich hab mehrmals eine verloren und wusste dann nicht, wohin mit der Verbliebenen.
  • Kugelschreiber – Berufsequipment. Trotz Elektronikzeitalter.
  • Organizer mit integriertem Adressbuch – selbst wenn mein Handy mit vielen Finessen versehen ist, bin und bleibe ich ein analoges Wesen.
  • Abdeckstift – von wegen „mit Wimmerln und Pusteln ist es spätestens nach der Pubertät vorbei“.

Das ist die Standardausrüstung.

Dazu gesellen sich dann Tageszeitungen, ein Weckerl vom Bäcker, ein paar Magazine. Hin und wieder noch eine CD, die ich dem Lieblingslayouter und der Lieblingslayouterin zum Anhören mitnehm’. Das Aufnahmegerät. Ersatzbatterien. Ersatzkassette. Manchmal auch ein Buch. Bevor allerdings wegen Übergewichts die Henkel reißen, tu ich die Extras schon in ein Sackerl.

Meine Taschen-Rechnung

Das Gute an meinen durchwegs üppigen Handtaschen:

  1. Ich muss nicht jeden Format-Trend im Accessoire-Bereich mitmachen. Denn was bitte fang‘ ich bei dem gigantischen Grundgehalt mit einer Clutch oder ähnlichen Mini-Behältnissen an!
  2. Es ist als Frau also nicht nur normal, sondern auch notwendig, sowohl viele als auch durchaus teure Taschen zu besitzen. Deren Fähigkeit zum Multitasking ist gefordert und aushalten sollen’s auch was können.

Bleibt nur die Frage: Warum und wie kommen Männer mit lediglich einer Brieftasche aus…

Mai 2009